Dein Arbeitgeber bezahlt deine Überstunden nicht: Was kannst du tun?
Überstunden, die dein Arbeitgeber angeordnet, gebilligt oder geduldet hat, musst du in der Regel bezahlt oder durch Freizeit ausgeglichen bekommen, sofern keine wirksame Abgeltungsklausel besteht. Im Streit musst du darlegen, an welchen Tagen du wie lange gearbeitet hast (BAG, 5 AZR 359/21). Prüfe sofort deinen Vertrag auf Ausschlussfristen: Oft müssen Ansprüche innerhalb von drei Monaten schriftlich geltend gemacht werden. Sonst verjährt Lohn nach drei Jahren ab Jahresende.
Deine Rechte kurz gefasst
- Angeordnete, gebilligte oder geduldete Überstunden sind zu vergüten oder auszugleichen.
- Kein gesetzlicher Zuschlag: Ein Überstundenzuschlag gilt nur, wenn Vertrag oder Tarif ihn vorsehen.
- Ausschlussfristen im Vertrag oder Tarif können Ansprüche nach wenigen Monaten erlöschen lassen.
- Verjährung: Ohne Ausschlussfrist verjähren Lohnansprüche nach drei Jahren, gerechnet ab Ende des Jahres, in dem sie entstanden sind.
- Mindestlohn: Für den Anteil bis zum Mindestlohn gelten Ausschlussfristen nicht.
Schau heute in deinen Arbeitsvertrag und gegebenenfalls in den Tarifvertrag. Steht dort eine Ausschlussfrist, mach deine Überstunden sofort schriftlich geltend, mit Zeitraum, Stundenzahl und Betrag.
Welche Nachweise du brauchst
Im Überstundenprozess musst du zuerst darlegen, wann du wie lange gearbeitet hast, und dass der Arbeitgeber die Überstunden veranlasst oder gebilligt hat. Das BAG hat 2022 klargestellt, dass sich an dieser Darlegungslast durch die Pflicht zur Zeiterfassung grundsätzlich nichts geändert hat.
| Nachweis | Warum er hilft |
|---|---|
| Deine tägliche Zeitaufzeichnung | Zeigt Beginn, Ende und Pause pro Tag, im Moment selbst festgehalten |
| Nachrichten der Vorgesetzten | „Kannst du heute länger bleiben?“ belegt die Anordnung |
| Dienstpläne | Zeigen, wann du eingeplant warst |
| E-Mails, Log-in-Zeiten, Fahrten | Stützen deine Aufzeichnung |
| Aussagen von Kollegen | Bestätigen die Arbeitsweise |
Schritt für Schritt
- Stunden zusammenstellen: Übersicht pro Woche mit Ist-Stunden, Soll-Stunden und Differenz.
- Gespräch mit Vorgesetzten oder Personalabteilung, danach per E-Mail zusammenfassen.
- Schriftlich geltend machen: Zeitraum, Stunden, Betrag, Frist von 14 Tagen. Das wahrt die erste Stufe einer Ausschlussfrist.
- Beratung: Gewerkschaft, Rechtsschutzversicherung oder Fachanwalt für Arbeitsrecht.
- Klage beim Arbeitsgericht, falls nötig rechtzeitig für die zweite Stufe einer Ausschlussfrist.
Musterschreiben „Sehr geehrte Frau Becker, laut meiner Arbeitszeitaufzeichnung habe ich von August bis Oktober 2026 insgesamt 41 Überstunden auf Anweisung der Schichtplanung geleistet (Aufstellung anbei). Diese wurden bisher nicht vergütet. Ich mache hiermit die Vergütung von 41 Stunden à 17,50 € brutto, insgesamt 717,50 € brutto, geltend und bitte um Zahlung bis zum 20. November 2026. Mit freundlichen Grüßen, Sandra Klein“
Nächstes Mal besser vorbereitet
Erfasse ab heute deine Arbeitszeit selbst in der kostenlosen StundenApp. Die App führt pro Arbeitgeber dein Überstundenkonto gegenüber den Vertragsstunden und berechnet dein Bruttogehalt. Am Ende der Woche schreibst du die Woche fest und hast einen sauberen PDF-Stundenbericht, den du an deinen Arbeitgeber schicken oder als Nachweis aufbewahren kannst.
Häufige Fragen
Ist eine Klausel 'Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten' wirksam?
Eine pauschale Klausel ohne Grenze ist meist unwirksam, weil nicht klar ist, wie viele Überstunden abgegolten sind. Bei Gehältern über der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung kann eine Abgeltung aber zulässig sein.
Was ist eine Ausschlussfrist?
Eine Klausel im Arbeits- oder Tarifvertrag, nach der Ansprüche verfallen, wenn sie nicht innerhalb einer bestimmten Frist geltend gemacht werden. In Arbeitsverträgen darf die erste Stufe nicht kürzer als drei Monate sein. Den Mindestlohn kann eine Ausschlussfrist nicht ausschließen.
Was kostet ein Verfahren beim Arbeitsgericht?
In der ersten Instanz trägt jede Seite ihre Anwaltskosten selbst, auch wenn sie gewinnt. Gewerkschaftsmitglieder bekommen meist kostenlosen Rechtsschutz, ebenso Versicherte mit Arbeitsrechtsschutz. Vor dem Arbeitsgericht kannst du dich auch selbst vertreten.
Quellen und Gesetzestexte
- BAG, Urteil vom 04.05.2022, 5 AZR 359/21 (Darlegungslast Überstunden)
- § 195 BGB — regelmäßige Verjährungsfrist
- § 3 Mindestlohngesetz — Unabdingbarkeit
Dieser Artikel wurde sorgfältig erstellt und gibt den Stand zum oben genannten Datum wieder. Er ist keine Rechts- oder Steuerberatung; prüfe im Zweifel den Gesetzestext, deinen Tarifvertrag oder frag eine Beratung.